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T11 Dark Factories / Data- und Rechencenter

Beispielhafte Projekte für diesen Typus sind im Bereich der Data- und Rechencenter der Green Metro Campus (Dielsdorf), Gen01A/Gen02A (Gland), das Equinix ZH2, 4 und 5 (Zürich), das NorthC in Uptown Basel  sowie das CSCS – Swiss National Supercomputing Centre in Lugano.  Für Dark Factories gibt es hingegen in der Schweiz noch keine beispielhaften Projekte. Ein wichtiges Beispiel ist die Swiss Smart Factory  im Switzerland Innovation Park Biel/Bienne (SIPBB). Sie dient als Demonstrationsplattform für Industrie 4.0 und hochautomatisierte Produktion, in der Maschinen, Robotik und IoT-Systeme vernetzt werden.

Mit dem Aufkommen sogenannter "Dark Factories" entstehen derzeit in Asien und langsam auch in Europa Produktionsanlagen, die nahezu vollständig automatisiert funktionieren. Roboter, autonome Transportsysteme, Drohnen und zunehmend auch humanoide Maschinen übernehmen sämtliche Fertigungs- und Logistikprozesse. Die Fabrik wird im Dunkeln betrieben – daher der Name. Menschliche Präsenz beschränkt sich auf Planung, Wartung und Überwachung, häufig sogar aus der Distanz. Die Wertschöpfung und die strategische Relevanz für einen Wirtschaftsstandort sind zunehmend relevant, die Arbeitsplatzdichte hingegen gering. Damit gerät ein Grundprinzip der schweizerischen Raumplanung zunehmend unter Druck. In vielen kantonalen und kommunalen Planungen wird die Nutzung von Wirtschaftsflächen stark über die Anzahl Arbeitsplätze legitimiert. Neue Gewerbe- und Industrieareale müssen oft einen bestimmten Arbeitsplatzbesatz nachweisen, damit sie politisch und planerisch akzeptiert werden. Zudem gibt es häufig Restriktionen zum Energieverbrauch, welche Dark Factories und auch Data- und Rechencentern zuwiderlaufen. Die angewandten Paradigmen stammen aus einer Zeit, in der industrielle Wertschöpfung unmittelbar mit vielen Arbeitsplätzen verbunden war.

Data- und Rechenzentren sind für den Erfolg der Volkswirtschaft Schweiz aus mehreren Gründen unabdingbar. In einer zunehmend digitalisierten, wissensbasierten Welt sind Data- und Rechenzentren das Rückgrat für die Speicherung, Verarbeitung und den Austausch von Daten. Sie ermöglichen die Funktionalität von Cloud-Diensten, Big Data-Analysen, die Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) und dem Internet der Dinge (IoT), die allesamt Schlüsselfaktoren für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit sind.  Forschung und Entwicklung (F&E) in Bereichen wie Biotechnologie, Fintech oder auch der industriellen Automatisierung erfordern immense Rechenleistung und Datenspeicherung, die durch moderne Rechenzentren bereitgestellt werden. Rechenzentren ermöglichen es Unternehmen, grosse Mengen an Daten effizient zu verarbeiten, was zu einer besseren Entscheidungsfindung, Prozessoptimierung und Kostensenkung führt. Die Schweiz ist bekannt für ihre stabile und zuverlässige Infrastruktur, was sie zu einem attraktiven Standort für globale Unternehmen macht, die ihre Daten in sicheren, leistungsfähigen und vor allem von Störungen verschonten Rechenzentren speichern möchten. Die Schweiz hat strenge Datenschutzgesetze, die in Kombination mit hochsicheren Rechenzentren ein vertrauenswürdiges Umfeld für die Speicherung sensibler Daten schaffen. Dies ist besonders wichtig für den Banken- und Versicherungsstandort Schweiz, welcher einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Schweiz ist. Die Präsenz von hochmodernen Rechenzentren in der Schweiz zieht multinationale Unternehmen an, die zuverlässige und leistungsfähige IT-Infrastrukturen benötigen. Moderne Rechenzentren in der Schweiz sind zudem oft Vorreiter in Sachen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Die Nutzung erneuerbarer Energien (Abwärme für Wärmeverbunde) und fortschrittlicher Kühlungstechniken trägt zur Reduktion des ökologischen Fussabdrucks bei. Die Aufrechterhaltung von Geschäftskontinuität und die Unterstützung von Homeoffice- und Remote-Arbeitsmodellen in Pandemie- und Krisenzeiten tragen zur Resilienz des Wirtschaftssystems bei. Zusammengefasst bilden Data- und Rechenzentren die technische und wirtschaftliche Basis, die es der Schweiz ermöglicht, ihre Position als führender Wirtschaftsstandort in einer globalisierten, digitalen Welt zu behaupten. Sie fördern Innovation, Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit, die alle für das langfristige wirtschaftliche Wachstum und die Stabilität der Schweiz entscheidend sind.

 

Die neue Realität der automatisierten Produktion über ein Dark Factory  oder ein strategisches Rechenzentrum kann volkswirtschaftlich enorm relevant sein – für Innovation, Exportfähigkeit oder technologische Souveränität – ohne eine grosse Zahl an Beschäftigten vor Ort zu generieren. Wenn Raumplanung jedoch primär nach Arbeitsplatzdichte bewertet, könnten genau jene Infrastrukturen benachteiligt werden, die für die nächste industrielle bzw. technologische Phase des Wissensstandorts Schweiz entscheidend sind. Für die Schweiz ergibt sich daraus ein strategischer Trade-off. Einerseits bleibt die Sicherung von Arbeitsplätzen ein politisches Kernziel. Andererseits müssen Standorte auch für neue Formen der Wertschöpfung offen bleiben, deren Nutzen sich weniger in der Anzahl Beschäftigter als in technologischer Leistungsfähigkeit, Investitionsvolumen oder strategischer Bedeutung zeigt. Eine mögliche Antwort liegt in einer erweiterten Bewertung von Wirtschaftsflächen. Statt ausschliesslich die Arbeitsplatzdichte zu messen, könnten zusätzliche Kriterien berücksichtigt werden: Investitionshöhe, Beitrag zu Schlüsseltechnologien, Integration in Forschungsnetzwerke oder Bedeutung für digitale Infrastrukturen. Auch hybride Areale – d.h. eine Kombinationen aus automatisierter Produktion, Forschung, Entwicklung und Dienstleistungen – könnten stärker gefördert werden.

Die Herausforderung besteht darin, die Raumplanung vom Industriezeitalter der Arbeitsplätze hin zu einem Zeitalter strategischer Wertschöpfung weiterzuentwickeln. Wenn es der Schweiz gelingt, diese Perspektive zu erweitern, kann sie auch im Zeitalter von Dark Factories, KI-Infrastruktur und hochautomatisierten Produktionssystemen ein führender Innovations- und Technologiestandort bleiben.

Gleichsam sind Dark Factories wie auch Data- und Rechenzentren schlicht Flächenfresser mit tiefem Arbeitsplatzbesatz. Gleichzeitig benötigen sie eine gewisse Nähe zu Hauptzentren, damit die Datenleitungen nicht zu weit von den Endnutzern entfernt sind. Versuche und Bestrebungen, die Gebäudeteile im Untergrund oder als Teil von anderen Gebäudeteilen zu integrieren, scheitern an Aspekten der Wirtschaftlichkeit (Baukosten, Abwärme etc.) oder Sicherheit (Hochwassergefahr, Zugänglichkeit etc.). Mittlerweile können Rechenzentren vermehrt in Wärmeverbunde integriert werden, welches auch kritische Gemeinden zum Umdenken verleitet. 

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Bericht "Zukunft Arbeitszonen-management" zum Download:

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Über den Autor

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Remo Daguati, Inhaber

LOC AG

Zu den Elementen

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Folgerungen für Anforderungen an die Raumordnung und Standortförderung:

  • Volkswirtschaftliche und räumliche Bewertung von Dark Factories und Data-/Rechencentern

  • Data- und Rechenzentren als Vorranggebiete im Sinne einer Positivplanung in den Planungsinstrumenten von Bund, Kantonen und Gemeinden priorisieren.

  • Nähe zu Wirtschaftszentren (Reduktion Latenz) und Nutzern sichern  

  • Prüfung, ob die Bereitstellung solcher Flächen für den gesamtwirtschaftlichen Erfolg des Landes eine besondere Honorierung erfährt

  • Nichtberücksichtigung der Flächen dieser Areale in den kantonalen Kontingenten für Arbeitszonen

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