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Zukunft Wohnen

  • Autorenbild: Remo Daguati, CEO LOC AG
    Remo Daguati, CEO LOC AG
  • vor 1 Tag
  • 5 Min. Lesezeit

Wohnen steht vor einem Wandel, der tiefer geht als neue Grundrisse oder ein bisschen Smart Home. Die eigentliche Veränderung betrifft die Rolle der Wohnung im Alltag: Sie wird vom passiven Raum zur aktiven Infrastruktur – ein Ort, der Gesundheit unterstützt, Alltag organisiert, Energie intelligent nutzt und Mobilität sowie Dienstleistungen nahtlos einbindet.


Damit diese Zukunft nicht im Prospekt stecken bleibt, braucht es vor allem eines: Wohnumgebungen, in denen Lösungen real getestet, bewertet, verbessert und danach in die Breite ausgerollt werden können. Nicht als einmalige Show-Installation, sondern als dauerhaftes Reallabor mit genügend kritischer Masse, damit Ergebnisse belastbar werden und Investitionen Sinn ergeben.


Kritische Masse entscheidend

Diese kritische Masse ist entscheidend, weil viele Innovationen im Wohnen erst dann funktionieren, wenn sie mit Betrieb, Hauswartung, Verwaltung, Sicherheit, Netzen, Zutritt und Bewohnerrealität zusammenspielen. Einzelne Pilotwohnungen sind oft zu klein, um belastbare Aussagen zu Komfort, Akzeptanz, Wartungsaufwand, Datenqualität oder Wirtschaftlichkeit zu erhalten. Ein grösserer Wohnbestand – mit Bestand, Neubau, Sanierung und Verdichtung – erlaubt dagegen, Lösungen über Lebensphasen, Haushaltsformen und Gebäudetypen hinweg zu prüfen: Was hilft älteren Menschen wirklich, länger selbstbestimmt zuhause zu leben? Was entlastet Familien im Alltag, ohne sie zu bevormunden? Was reduziert Betriebskosten, ohne Wohnqualität zu verlieren? Und was ist am Ende bezahlbar, wartbar und skalierbar?


Longevity als Zukunftstreiber

Ein zentraler Zukunftstreiber ist Longevity im ganz praktischen Sinn: gesund bleiben, Risiken früh erkennen, Unterstützung erhalten, bevor Abhängigkeit entsteht. Das bedeutet nicht, dass die Wohnung zum Spital wird. Im Gegenteil: Gute Systeme sind leise, respektvoll und optional. Sie helfen bei Stürzen, erinnern an Medikamente, unterstützen bei Orientierung, ermöglichen Telekonsultationen oder entlasten Angehörige – aber nur dort, wo Menschen es wollen, und so, dass Würde und Privatsphäre gewahrt bleiben. Genau hier trennt sich Spielerei von echter Innovation: Ohne klare ethische Leitplanken, ohne Datenminimierung und ohne widerrufbare Einwilligung wird Assistenztechnologie schnell zur Belastung. Die Zukunft des Wohnens ist daher nicht nur eine Technologiefrage, sondern eine Vertrauensfrage. Bewohnerinnen und Bewohner müssen verstehen, was passiert, wofür Daten genutzt werden, wer Zugriff hat, wie lange Daten gespeichert werden und wie man das Ganze jederzeit stoppen kann.


Neue Wohnformen

Parallel verändern sich Wohnformen. Haushalte werden vielfältiger: mehr Single-Haushalte, Patchwork-Familien, Mehrgenerationen-Konstellationen, temporäre Lebensphasen zwischen Ausbildung, Projektarbeit und Pflegeverantwortung. Die Wohnung der Zukunft muss nicht alles in einem fixen Grundriss lösen, sondern Flexibilität anbieten: Räume, die sich umnutzen lassen, gemeinschaftliche Zusatzflächen, die tatsächlich funktionieren, und Services, die dort helfen, wo Wohnfläche allein nicht reicht. Entscheidend ist dabei die Kopplung von baulichen Lösungen und Betrieb: Ein Gemeinschaftsraum ist nur dann ein Mehrwert, wenn Buchung, Reinigung, Regeln und Zuständigkeiten klar sind. Neue Wohnformen sind deshalb immer auch eine Frage von Governance und Alltagsorganisation – und damit von Standards, Prozessen und verlässlichen Verantwortlichkeiten.


Logistics - it's the supply chain, stupid!

Ein weiterer Baustein der Wohnzukunft ist Logistik. Was früher ein Briefkasten war, ist heute ein komplexer Strom aus Paketen, Retouren, Lebensmittellieferungen, Reinigungsservices, Pflegediensten und Mikrolieferungen. Gebäude, die darauf nicht vorbereitet sind, erzeugen Reibung: verstopfte Eingänge, fehlende Übergabezonen, Sicherheitsprobleme, unnötige Wege, Frust bei Bewohnern und Dienstleistern. Die Zukunft des Wohnens wird daher Eingangsbereiche, Paketlösungen, Abholpunkte, temporäre Kühlmöglichkeiten und klar definierte Serviceprozesse als Teil der Grundinfrastruktur verstehen – nicht als nachträgliches Gadget. Gleichzeitig muss das Ganze sozial verträglich bleiben: Wer keine Services nutzt, darf nicht schlechter gestellt werden. Und wer Services nutzt, soll dies möglichst einfach, sicher und transparent tun können.


Mobility

Mobilität verschmilzt mit Wohnen ebenfalls stärker, gerade im Übergang zur letzten Meile. Sharing-Angebote, barrierearme Wege, sichere Veloinfrastruktur, Ladepunkte und sinnvolle Abstelllösungen werden zunehmend zum Qualitätskriterium einer Siedlung. Aber auch hier gilt: Entscheidend ist nicht das «Angebot auf dem Papier», sondern die Alltagstauglichkeit. Ein Carsharing-Stellplatz ist wertlos, wenn der Zugang kompliziert ist. Eine Ladeinfrastruktur scheitert, wenn Abrechnung und Lastmanagement nicht sauber gelöst sind. Ein Mobility-Hub funktioniert nur, wenn Wege sicher, beleuchtet und intuitiv sind – und wenn die Nutzung nicht zu Konflikten führt. Die Zukunft des Wohnens ist deshalb multimodal, aber sie ist auch konfliktarm geplant: mit Regeln, mit klaren Zuständigkeiten und mit einem Betriebskonzept, das im Alltag trägt.


Energiequartiere - bitte schwankungsfrei

Am stärksten unterschätzt wird oft das Thema Energie – nicht als abstrakte Klimadebatte, sondern als Systemfrage direkt am Gebäude und im Quartier. Die Wohnung der Zukunft hängt nicht nur am Stromnetz, sie wird Teil eines vernetzten Energie-Ökosystems: Wärmeerzeugung, Photovoltaik, Speicher, Ladeinfrastruktur und flexible Verbraucher müssen zusammenspielen. Sektorkopplung ist dabei kein Buzzword, sondern eine praktische Optimierungslogik: Wärme, Strom und Mobilität lassen sich so steuern, dass Kosten sinken, Netze entlastet werden und Komfort steigt. Dafür braucht es Monitoring, klare Datenflüsse, sichere Systeme und vor allem eine Integration in die bauliche Realität – inklusive Normen, Sicherheit, Zugangsrechten und Wartung. Wer Energieinnovationen ohne Betriebssicht plant, zahlt später doppelt: mit Störungen, Ärger und Akzeptanzverlust.


Labore mit kritischer Grösse

Damit all diese Felder – Gesundheit, Wohnformen, Logistik, Mobilität, Energie – nicht nebeneinander her laufen, braucht es einen strukturierten Innovationsprozess. In der Wohnwelt funktioniert Innovation selten als «Big Bang». Sie ist ein Portfolio aus Pilotprojekten, die sauber priorisiert, getestet und bewertet werden. Man muss entscheiden können: Welche Vorhaben bringen den grössten Nutzen für Bewohner? Welche senken Betriebskosten? Welche erhöhen Sicherheit? Welche verbessern Klima- und Energieperformance? Und welche sind zwar spannend, aber noch nicht reif? Diese Steuerung verlangt eine klare Organisation: ein Gremium, das Strategie, Roadmap und Budget verantwortet, sowie thematische Arbeitsgruppen, die Projekte operativ begleiten. Vor allem braucht es Controlling und Reporting, sonst bleiben Pilotierungen anekdotisch. Die Zukunft des Wohnens ist daher auch Management: nicht im Sinn von Bürokratie, sondern im Sinn von Lernfähigkeit und Skalierung. Die LOC AG begleitet diese Schritte.


Bitte skaliert

Skalierung ist überhaupt der Punkt, an dem sich entscheidet, ob die Wohnzukunft für viele oder nur für wenige gilt. Eine Lösung, die in einer Modellwohnung glänzt, ist noch lange nicht marktfähig. Marktfähig ist sie erst, wenn sie in mehreren Gebäuden funktioniert, wenn sie unter realen Bedingungen robust ist, wenn der Support leistbar bleibt, wenn Rückbau und Haftung geregelt sind und wenn Eigentümer und Verwaltungen wissen, worauf sie sich einlassen. Deshalb braucht es standardisierte «Baukästen» für Projekte: klare Pilotvereinbarungen mit Zielen, Rollen, Zeitplan, Kosten, Abnahme und Rückbau; Zutritts- und Installationsregeln, die Hausordnung und Sicherheitsauflagen berücksichtigen; Service- und Betriebsvereinbarungen mit SLAs, Unterhalt und Störungsmanagement; Datenschutzregelungen für Auftragsbearbeitung und Informationssicherheit; und sinnvolle Regeln zu geistigem Eigentum, Nutzungsrechten und Publikationen. Je standardisierter diese Grundlagen sind, desto schneller kann man gute Projekte starten – und desto geringer ist das Risiko, dass ein Pilot an Formalitäten oder Missverständnissen scheitert.


Beteiligung inklusive

Ein weiterer Schlüssel ist die Bewohnerbeteiligung. Wohnen ist intim, und niemand will in den eigenen vier Wänden Versuchskaninchen sein. Beteiligung bedeutet daher nicht nur «Feedback einholen», sondern echte Wahlfreiheit und Zumutbarkeit sicherstellen. Bei sensiblen Vorhaben muss Einwilligung freiwillig, informiert und widerrufbar sein. Kommunikation ist nicht Nebensache, sondern Projektbestandteil: Infoveranstaltungen, FAQs, Kontaktstellen, transparente Nutzenargumente, klare Regeln für Daten und Zugriffe. Und manchmal braucht es auch eine faire Kompensation, wenn Bewohnerinnen und Bewohner zusätzlichen Aufwand tragen oder wenn der direkte Nutzen nicht sofort spürbar ist. Wer die soziale Dimension ignoriert, verliert Vertrauen – und ohne Vertrauen ist jede Wohninnovation tot, bevor sie skaliert.


Zukunft Wohnen - wir denken weiter

Am Ende läuft die Zukunft des Wohnens auf eine neue Art von Wertschöpfung hinaus. Gebäude werden nicht nur gebaut und vermietet, sie werden betrieben, weiterentwickelt und als Plattform für bessere Wohnqualität genutzt. Für Eigentümer bedeutet das: Innovationsfähigkeit wird zur Standortqualität des Bestands. Für Bewohner bedeutet es: mehr Selbstbestimmung, weniger Reibung im Alltag, bessere Sicherheit und im Idealfall tiefere Gesamtkosten durch effizienteren Betrieb. Für die Gesellschaft bedeutet es: Lösungen, die Alterung, Pflege, Energie und Mobilität nicht als isolierte Probleme behandeln, sondern dort ansetzen, wo Menschen leben.


Die grosse Chance besteht darin, dass Wohnen nicht länger nur ein «Spätfeld» der Innovation ist, sondern zu einem der relevantesten Testfelder überhaupt wird – weil hier alle grossen Themen zusammenkommen: Demografie, Gesundheit, Energie, Digitalisierung, soziale Integration und wirtschaftliche Tragbarkeit. Wer die Zukunft des Wohnens gestalten will, braucht deshalb weniger Visionstexte und mehr echte Lernräume: genügend gross, klar organisiert, ethisch sauber, technisch robust und konsequent auf Skalierung ausgerichtet.



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