Humanoide – Schlüsseltechnologie gegen den demografischen Wandel?
- Remo Daguati, CEO LOC AG

- 16. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Europa und auch die Schweiz überaltern rasant. Gleichzeitig fehlen in Pflege, Betreuung, aber auch Industrie und Dienstleistungen ab 2035 immer mehr Fachkräfte. Humanoide Roboter könnten zu einer entscheidenden technologischen Antwort werden.
Humanoide Roboter können als Ergänzung zu menschlicher Arbeit, als Entlastung in belastenden Tätigkeiten und als Assistenzsysteme für Menschen mit körperlichen Einschränkungen gesehen werden. Doch ihr Einsatz verlangt klare Regeln, neue Bauweisen und eine verantwortungsvolle gesellschaftliche Diskussion.
Rasanter demografischer Wandel
Die demografische Veränderung verschärft in vielen europäischen Ländern und auch der Schweiz den Mangel an Arbeitskräften. Besonders betroffen sind Pflegeeinrichtungen, soziale Dienste, Produktionsbetriebe, Hotels und Restaurants. Humanoide Roboter, zunehmend leistungsfähiger durch Fortschritte in KI, Sensorik und mechatronischen Systemen, treten hier als mögliche Unterstützung auf. In der Pflege können sie einfache Grundtätigkeiten übernehmen, beim Transfer helfen oder Vitaldaten überwachen, während Fachpersonen sich stärker auf menschliche Zuwendung und komplexe Aufgaben konzentrieren.
Kognitive Aktivierung
In der Sozialbetreuung bieten humanoide Systeme neue Formen der kognitiven Aktivierung oder Begleitung und entlasten Betreuungsstrukturen. Auch in der Hotellerie, Gastronomie sowie in der Produktion und Logistik könnten humanoide Roboter repetitive, körperlich belastende oder zeitintensive Arbeiten übernehmen und Prozesse zuverlässiger gestalten. Gleichzeitig eröffnen sie Menschen mit körperlichen Einschränkungen neue Perspektiven, etwa durch fortschrittliche Exoskelette, die Mobilität und Autonomie steigern.
Abhängigkeiten von Technologie, Gefahr der Entmenschlichung
Doch mit den Chancen gehen auch Risiken einher. Die Gefahr einer Entmenschlichung sensibler Bereiche, unklare Haftungs- und Sicherheitsfragen, ein möglicher Verlust zwischenmenschlicher Interaktion oder eine Abhängigkeit von proprietären KI-Ökosystemen erfordern klare gesellschaftliche und politische Leitplanken. Humanoide Systeme dürfen den Menschen nicht ersetzen, sondern sollen ihn stärken – als Werkzeuge, nicht als soziale Substitute. Datenschutzfragen, die Gefahr der Entmenschlichung in sensiblen Bereichen oder eine zu rasche Substitution menschlicher Arbeitskraft werden im politischen Kontext zu Diskussionen führen. Entscheidend ist daher, humanoide Systeme so zu gestalten, dass sie den Menschen dienen – nicht umgekehrt.
Einsatzgebiete mit grossem Potenzial
Ein besonderes Potenzial liegt zudem im Bereich der Exoskelette. Diese technologischen Erweiterungen ermöglichen es Menschen mit körperlichen Einschränkungen, ihre Mobilität zu verbessern, alltägliche Aufgaben selbstständiger zu bewältigen oder im beruflichen Umfeld sicherer und ergonomischer zu arbeiten. Dadurch entsteht ein neuer Grad an Teilhabe, der weit über klassische Assistenzsysteme hinausgeht.
Neue Anforderungen an Bauweisen und Gebäude
Für einen breiten Einsatz von humanoiden Robotern werden neue Bauweisen notwendig. Gebäude müssen barrierefrei und robotikfähig gestaltet sein, mit ebenerdigen Zugängen, breiteren Türen, klaren Navigationslinien und digitaler Infrastruktur, die eine sichere Echtzeit-Lokalisation ermöglicht. Auch modulare Raumanordnungen und verlässliche Energie- und Netzanbindungen werden entscheidend, um die Interaktion zwischen Mensch und Roboter reibungslos und sicher zu gestalten.
Den Wandel gestalten
Europa wie auch die Schweiz stehen an einem Wendepunkt. Wenn der Kontinent den demografischen Wandel meistern will, braucht es innovative Lösungen – und humanoide Roboter werden dabei eine zentrale Rolle spielen, sofern ihr Einsatz verantwortungsvoll, menschenzentriert und baulich wie gesellschaftlich umsichtig vorbereitet wird.

Bild: ChatGPT



