Standortpromotion taugt nicht als Sündenbock der Zuwanderungsdebatte
- Remo Daguati, CEO LOC AG

- vor 2 Tagen
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Standortförderung kann Zuwanderung auslösen, weil sie Unternehmensansiedlungen, Investitionen und Arbeitsplätze begünstigt. Ihr Beitrag an die Zuwanderung ist insgesamt klein, ihre Wirkung für Zukunftstechnologien und wissensbasierte Jobs jedoch wertvoll.
Eine neue Studie «Standortförderung und Zuwanderung» im Auftrag des SECO aktualisiert die früheren Untersuchungen von 2013 und 2017 für die Periode 2017 bis 2024. Untersucht wird, in welchem Ausmass die Standortförderung des Bundes zur Zuwanderung beiträgt. Im Zentrum stehen drei Instrumente: die nationale Standortpromotion, Steuererleichterungen im Rahmen der Regionalpolitik sowie die Förderung der Beherbergungswirtschaft.
Weniger Firmen, mehr Jobs
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Standortpromotion. Sie ist jenes Instrument, das in der politischen Debatte oft am stärksten mit internationaler Ansiedlung und damit auch mit Zuwanderung verknüpft wird. Die Studie zeigt für die Jahre 2017 bis 2023 im Durchschnitt 249 Ansiedlungen pro Jahr mit wesentlichem Beitrag der öffentlichen Standortpromotion. Daraus resultierten im Mittel rund 1’129 geschaffene Arbeitsplätze jährlich. Auffällig ist dabei: Gegenüber der Vorstudie wurden zwar weniger Unternehmen angesiedelt, pro Unternehmen entstanden aber im Durchschnitt mehr Arbeitsplätze.
Die Studie schätzt den Effekt der Zuwanderung durch Standortförderung anhand von Vergleichswerten, insbesondere mit einem «Best Guess», einer Untergrenze und einer Obergrenze. Für die Standortpromotion ergibt sich daraus ein geschätzter Zuwanderungseffekt von rund 1’200 Personen pro Jahr inklusive Familiennachzug. Das entspricht etwa 1,7 Prozent der gesamten Nettozuwanderung. Selbst im maximalen Szenario liegt der Effekt bei rund 1’690 Personen, im minimalen Szenario bei rund 490 Personen.
Standortpromotion: politische Debatte verfehlt Faktencheck
Die eigentliche Stärke der Studie liegt jedoch in der Einordnung dieser Zahlen. Erstens ist der Effekt auch bei der Standortpromotion deutlich kleiner, als öffentliche Debatten oft suggerieren. Zweitens weisen die Studienautoren darauf hin, dass die ausgewiesenen Werte für die Effekte der Bundesinstrumentarien eher zu hoch als zu tief sein dürften. Der Grund: In den Daten zur Standortpromotion sind nicht nur Bundesmassnahmen enthalten, sondern auch kantonale Aktivitäten, die sich nicht sauber trennen lassen. Der reine Bundesanteil fällt in der Realität also tiefer aus als im Bericht ausgewiesen. Der geschätzte Zuwanderungseffekt der Standortpromotion dürfte damit tendenziell überschätzt sein.
Standortpromotion taugt nicht als Sündenbock der Zuwanderungsdebatte
Damit liefert die Studie eine wichtige Präzisierung für die politische Diskussion: Die Standortpromotion schafft Wirkung, sie unterstützt Ansiedlungen und sie generiert Arbeitsplätze. Aber sie ist kein massgeblicher Treiber der Zuwanderung in die Schweiz. Wer das Thema seriös beurteilen will und nicht auf billiges, politisches Bashing setzt, muss deshalb zwischen wirtschaftspolitischer Wirkung und migrationspolitischer Grössenordnung unterscheiden. Das Verdikt ist klar: spürbarer Nutzen für den Standort im Sinne von zukunftsgerichteten Technologien und Jobs, aber nur begrenzter Einfluss auf die Zuwanderung.
Link zur Studie des SECO: https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Publikationen_Dienstleistungen/Publikationen_und_Formulare/Standortforderung/studien/studie_standortfoerderung_zuwanderung_2025.html




