top of page

Verschärfung Lex Koller: Vergiftetes Placebo gegen Wohnungsmangel

  • Autorenbild: Remo Daguati, CEO LOC AG
    Remo Daguati, CEO LOC AG
  • vor 5 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Die geplante Verschärfung der Lex Koller gibt vor, den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten. Tatsächlich setzt sie aber nicht bei den Ursachen des Wohnungsmangels an. Sie schafft kaum zusätzlichen Wohnraum, erschwert jedoch Investitionen, verunsichert internationale Fachkräfte und schwächt die Standortattraktivität der Schweiz. Sie ist damit kein Heilmittel, sondern ein Placebo – und wegen ihrer Nebenwirkungen ein vergiftetes.


Der Bundesrat will die Lex Koller verschärfen – offiziell, um den Wohnungsmangel zu bekämpfen. Doch aus Sicht des Wirtschafts- und Innovationsstandorts Schweiz ist diese Revision eine problematische Fehlsteuerung. Sie setzt nicht bei den eigentlichen Ursachen der Wohnraumknappheit an – zu wenig Angebot, lange Verfahren, blockierte Innenentwicklung, hohe Baukosten und knappe Flächen –, sondern schwächt zentrale Standortfaktoren: Investitionsfähigkeit, internationale Offenheit, Verlässlichkeit und die Verfügbarkeit von Flächen und Wohnangeboten für Schlüsselpersonen.


Investments in Geschäftsimmobilien werden erschwert

Besonders kritisch ist die geplante Einschränkung beim Erwerb von Geschäftsimmobilien. Zwar sollen ausländische Unternehmen weiterhin Grundstücke für den eigenen Betrieb erwerben können. Doch Geschäftsimmobilien, die vermietet oder verpachtet werden, sollen für Personen im Ausland faktisch nicht mehr zugänglich sein. Das klingt technisch, ist aber hoch relevant: Moderne Unternehmensstandorte funktionieren oft über gemischte Modelle mit Eigentümern, Investoren, Entwicklern und Mietern. Headquarters, Labors, Produktionsflächen, Showrooms, Campus-Strukturen, Retail, Gastronomie und ergänzende Wohnangebote entstehen selten in der Logik eines einzelnen Eigennutzers. Wer solche Modelle erschwert, trifft nicht Spekulation, sondern reale Standortentwicklung.


Ausländisches Kapital geblockt

Auch der geplante Zugriff auf Wohnimmobiliengesellschaften, Immobilienfonds und Immobilien-SICAV ist heikel. Wenn ausländische Anleger solche Anteile nicht mehr erwerben dürfen, wird Kapital ausgerechnet dort verknappt, wo es für Erneuerung, Verdichtung und Neubau gebraucht würde. Wohnungsmangel löst man nicht, indem man Investitionen erschwert. Im Gegenteil: Die Schweiz braucht mehr finanzierungsfähige Projekte, schnellere Verfahren und mehr bauliche Realisierung – nicht weniger Kapital.


Expats vergraulen

Besonders ungünstig ist das Signal an internationale Fach- und Führungskräfte. Drittstaatsangehörige mit Aufenthaltsbewilligung B sollen beim Kauf einer Hauptwohnung neu eine Bewilligung benötigen und bei Wegzug innert zwei Jahren wieder verkaufen müssen. Für hochqualifizierte Expats aus den USA, Grossbritannien, China, Indien, Singapur oder anderen Drittstaaten schafft dies Unsicherheit. Wer international mobil ist, überlegt sich sehr genau, ob er an einem Standort Wurzeln schlägt, wenn Wohneigentum administrativ erschwert und zeitlich unsicher wird. Im Wettbewerb um Talente zählt nicht nur der Arbeitsvertrag, sondern auch die Möglichkeit, Familie, Wohnen und Integration verlässlich zu planen.


Blinder Fleck bei Business-Appartements

Ein weiterer blinder Fleck betrifft Business-Appartements und Serviced Apartments. Für internationale Headquarters, Projektteams, Relocations und temporäre Ansiedlungsphasen sind solche Angebote essenziell. Sie ermöglichen es Unternehmen, Schlüsselpersonen rasch in die Schweiz zu holen, ohne den normalen Mietwohnungsmarkt zusätzlich zu belasten. Genau solche flexiblen Wohnformen müssten als Standortinfrastruktur verstanden werden. Die Vorlage tut das Gegenteil: Sie denkt Wohnen primär als zu schützenden Bestand und nicht als Voraussetzung wirtschaftlicher Entwicklung.


Knieschuss im Standortwettbewerb

Die Schweiz steht in einem harten internationalen Standortwettbewerb. Life Sciences, Tech, KI, Medtech, Finance, Rohstoffhandel und Headquarters entscheiden sich nicht nur aufgrund von Steuern oder Bewilligungen für einen Standort. Sie achten auf Verlässlichkeit, Wohnraum, Talentzugang, Entwicklungsflächen und ein politisches Klima, das internationale Unternehmen willkommen heisst. Eine verschärfte Lex Koller sendet hier das falsche Signal: mehr Misstrauen, mehr Bürokratie, weniger Offenheit.


Der Wohnungsmangel ist real. Aber er wird nicht durch symbolische Abschottung gelöst. Nötig wären beschleunigte Planungs- und Baubewilligungsverfahren, die Mobilisierung von Transformationsarealen, bessere Nutzung von Misch- und Arbeitszonen, mehr Verdichtung mit Akzeptanz sowie gezielte Lösungen für Personal-, Business- und Übergangswohnen. Die geplante Revision ist deshalb falsche Medizin. Sie kuriert nicht die Wohnungsnot, schwächt aber den Wirtschaftsstandort. Die Schweiz braucht mehr Angebot, mehr Tempo und mehr Standortintelligenz – nicht eine Rückkehr in eine defensive Reduit-Logik.



 
 

LOC AG - Josefstrasse 92 - CH-8005 Zürich - +41 43 277 02 70 - info@loc.ag

  • LinkedIn Social Icon
  • X
  • YouTube Social  Icon
bottom of page