• Remo Daguati, CEO LOC AG

Auf die Durchmischung kommt es an


Dass Firmen bevorzugt Bürostandorte mit bester Anbindung wählen, hatten wir bereits in früheren LOC Blogs ausgeführt. Je besser eine Erschliessung mit öffentlichem Verkehr sowie die Nähe zu einem öV-Knoten in Fussdistanz gegeben sind, desto eher können wissensbasierte Funktionen und Talente gewonnen oder gehalten werden. Denn Menschen, die mit dem Kopf arbeiten, wollen auch auf dem Arbeitsweg produktiv sein.


Die Stadtentwicklung und Liegenschaftspolitik von Kantonen und Städten können viel dazu beitragen, dass Zentren und Innenstadtlagen zu Motoren für die Wirtschaftsentwicklung werden. Leider werden gerade in Kantonshauptorten oft ganze Quartiere an besten Verkehrslagen für öffentliche Nutzungen gesichert und verdrängen so private Nutzer in die Aussenquartiere. Bildung, Kultur, Bibliotheken oder Verwaltungsfunktionen verdrängen so privatwirtschaftliche Funktionen.


Für gute Durchmischung sorgen

Nebst öffentlichen Funktionen müssen Innenstädte auch attraktiven Raum aus modernen, grossflächigen Businesscentern mit preiswerten und vernetzten Arbeitsplätzen für die Wissens- und Kreativwirtschaft bieten. Denn wissensbasierte Talente suchen sich Arbeitsorte im Stadtzentrum in Fussdistanz zu S-Bahn-Knoten oder zum Hauptbahnhof. Umfasst ein Stadtkern überwiegend staatliche und öffentliche Nutzungen, so sollte ein Dialog einsetzen, wie sich der Staat gezielt aus strategischen Lagen der Innenstadt zurückziehen kann, um eine bessere Durchmischung der Nutzungen zu fördern. Kopf- und Kreativarbeit werden sich im Herzen einer Stadt dann entfalten, wenn der Staat einen im Übermass gehorteten Raum schrittweise freigibt.


Aktuelle Diskussionen

Aktuelle Diskussionen um die Balance von staatlichen und para-staatlichen Nutzungen vs. dem Raum für wissens-, kreativ- oder technologiebasierte Nutzungen werden gerade in Zürich oder St.Gallen geführt. In Zürich soll etwa der Raum von einem bestehenden Kulturzentrum einem Impact Hub weichen, wogegen sich Widerstand breiter Kreise bildet. In St.Gallen sind dagegen die Diskussionen diametral gerichtet: eine neue Staatsbibliothek soll ein bestehendes und pulsierendes Büro- und Gastronomiegebäude verdrängen (siehe auch unser Kommentar bei DieOstschweiz). Was den beiden Beispielen gemeinsam bleibt: Die Verknappung von bestens erreichbaren Räumlichkeiten in Kernstädten und deren konkrete Bespielung für die Gewinnung und das Halten der Talente von morgen wird auch in Zukunft für intensive (politische) Diskussionen sorgen.


Bild: Kultur oder Arbeitsplätze? Frau Gerolds's Garten im Umfeld der Zürich Hardbrücke



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