• Remo Daguati, CEO LOC AG

Softfaktoren im Standortmarketing – New Work, New Balance

Die Bedeutung weicher Standortfaktoren wie Wohn- und Freizeitqualität, Verfügbarkeit an geeignetem Wohnraum, Betreuungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder oder die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs hat kontinuierlich zugenommen. In der Positionierung eines Wirtschaftsstandorts ist entsprechend auch der Wohn-, Lebens- und Freizeitsituation einer Region Beachtung zu schenken.


Talente und gerade jüngere Fachkräfte wünschen sich ein Arbeitsmarktpotential mit Zukunftsaussichten, bauen ihre Standortwahl aber auch auf softe Argumente (Sicherheit, Unversehrtheit, Stabilität etc.) sowie Aspekte zur Gestaltung des Umfelds für Familie, Freizeit und Erholung. Denn der Wettbewerb um die besten Fachleute bzw. Mitarbeitenden nimmt zu (Demographie, Überalterung Gesellschaft). Wenn ein Standort gute Angebote für die Work-Life-Balance bietet, ist dieser Standort auch für Firmen attraktiver.


Regionale Rückzugsorte mit Werten

Touristischen Leistungen direkt beim Arbeitsort, aber auch attraktive Naherholungs- und Freizeiträume leisten einen wichtigen Beitrag an Wohn- und Wirtschaftsstandorte. Klimaveränderungen (v.a. Hitzeperioden), Digitalisierung und New Work bieten nahegelegenen Regionen zu metropolitanen Räumen klare Chancen. In diesen bestens erreichbaren Rückzugsorten zu den stark verdichteten, ruhelosen und hektischen Metrpolitanräumen entstehen (dank kühlem Kopf) durchdachte Ideen und Konzepte über das ganze Jahr hinaus. Ländliche Räume bieten auch einen traditionelleren Arbeits-Ethos – eine positive Sichtweise der Werktätigen auf ihren Beruf und die sorgfältige Ausübung und Wertschätzung der Berufstätigkeit. Kombiniert mit hochwertiger Erholung entsteht so ein sinn- und ideenstiftendes Umfeld für Talente.


Essen, Trinken und Tagen als Erfolgsfaktor für Standorte

Eine florierende Wirtschaft beflügelt immer auch die Übernachtungs-, Seminar- und Tagungshotellerie sowie die Gastronomie. Umgekehrt werden wissensbasierte Arbeitsplätze an Orten mit ebensolchen Infrastrukturen aufgebaut. Fehlen sie, so darbt auch das Geschäften. Gute Gespräche ergeben sich bei einem guten Essen oder einem feinen Wein, Vertrauen basiert auf persönliche Erlebnisse und Kontakte. Entsprechend muss eine Standortstrategie auch Antworten bieten, wie und wo Infrastrukturen für Gastronomie, Business-Hotellerie sowie Tagungen und Events (MICE) geboten werden.


Homeoffice und neue Arbeitsformen verlangen neue Bürokonzepte

Neue digitale Arbeitsformen entkoppeln die Arbeit vom Arbeitsort. Wer keinen ortsgebundenen Kundenkontakt hat, wird die Arbeit in Zukunft dort ausführen, wo er diese am besten erledigen kann. Die Freiheiten in Bezug auf die Wahl von Arbeitsort und -zeit werden zum wesentlichen Entscheidungskriterium bei der Stellensuche. Das Homeoffice gewinnt auch deshalb an Bedeutung, weil öffentliche Verkehrssysteme an ihre Grenzen geraten und Mobilität aktuell (militärische Konflikte, Verknappungen) teurer wird. Wohnen und Arbeiten verschmelzen in der Folge immer mehr. Homeoffice und neue Formen des mobilen Arbeitens fordern aber auch im regionalen Raum erweiterte Nutzungskonzepte. Mitarbeitende sind zwar in Firmen angestellt, die ihren Geschäftssitz in den Zentren haben, erledigen aber ihre Arbeit von zuhause aus – ihrem Wohnsitz im grünen, ländlichen Raum. Doch viele wünschen sich auch am Wohnort Arbeitsmöglichkeiten in Co-Working-Strukturen, um Arbeit und Familienleben konsequent zu trennen. Diese sind gerade im ländlichen Raum noch rar.

Covid-19-Pandemie hat Trends beschleunigt

Gerade die COVID-19-Pandemie hat diesen Trend beschleunigt. Der Faktor Wohnqualität hat in den letzten Monaten auf Kosten der Zentralität eine höhere Gewichtung erfahren. Verschiebungen in den Lagepräferenzen konnten beobachtet werden, was mit vermehrten Umzügen – ob zur Miete oder im Eigentum – an dezentralere Standorte einherging. Dadurch wurde eine erhöhte Nachfrage sowohl nach Wohneigentum wie auch nach Mietwohnungen an eher peripheren Standorten beobachtet. Regionalen Standorten bieten sich daraus wohl auch langfristig weiterhin grosse Entwicklungschancen.


Beispiel Einsiedeln: Wohn-, Freizeit- und Arbeitsqualität im direkten Umfeld des Grossraums Zürich


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